Investment Rate Indikator – TSMIR

Technical Stock Market Investment Rate Indikator

Eine Trading Strategie ist vorhanden

Angenommen ich habe eine Trading Strategie entwickelt, die für sich schon eine gute Performance hat und Antworten für folgende Fragen hat:

  • Was soll ich wann und wie viel kaufen?
  • Wann und wie viel davon soll ich von der obigen Position verkaufen?

Bleibt eine wichtige Frage offen, nur welche

Dann stellt sich immer noch eine Frage, welche ich als eine, wenn nicht als die wichtigste Frage ansehe, die ich für mich beantworten muss, bevor ich die obige Strategie zu handeln anfange. Die Antwort dieser Frage wird fast immer vernachlässigt, bzw. als zu komplex angesehen:

Soll diese Trading Strategie immer gehandelt werden?

oder gibt es Phasen im Markt, bei der es besser ist, die Strategie auszusetzen.

Wenn wir die Aktienmarktentwicklung der vergangen zehn Jahre betrachten, werden wir schnell zu der Aussage kommen, dass es für eine long only Strategie am besten gewesen wäre wenn diese grob gesagt 2001, 2002 und 2008 nicht am Markt gewesen wäre.

Also stellt sich doch eher die Frage

Wann sollte mit der Trading Strategie gehandelt werden?

Auf diese Frage soll der TSMIR Indikator eine Antwort geben.

Der TSMIR Indikator geht aber noch einen Schritt weiter, er versucht eine präzise Auskunft über die „overall Investmentrate“ einer Strategie oder auch mehrerer Strategien zu geben.

D.h. es wird nicht versucht eine „binäre“ Antwort zu geben, ob aktuell investiert werden soll (ja oder nein), sondern es wird differenziert beantwortet, was die aktuelle Investmentrate sein soll. Dieser reicht von 0% bis 100%.
Also versucht der TSMIR Indikator letztendlich folgende Frage zu beantworten:

Wie hoch ist die optimale Investmentrate zu einem bestimmten Zeitpunkt für eine Trading Strategie?

TSMIR Indikator und die Trading Strategie sind voneinander entkoppelt

Der TSMIR Indikator ist primär nicht Bestandteil der eigenen Trading Strategie. Vielmehr erweitert der TSMIR Indikator die Strategie, um eine Komponente, wobei weder die Strategie etwas mit der Herleitung des TSMIR Indikator zu tun hat, als auch umgekehrt.

Multiplikator auf die Investmentrate

Wie unten beschrieben gibt der TSMIR Indikator eine Prozentzahl von 0% bis 100% zurück.Diese Prozentzahl kann nun an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Dies kann von dem eigenen Risikobereitschaft oder auch der Anzahl der Strategien abhängig sein.

Soll z.B. mit Hebel (Margin) gehandelt werden, wird die Investmentrate mit dem eigenen Hebel multipliziert. Bsp.: aktuelle TSMIR Investmentrate von 80% und einem konstanten Hebel von 1,3 ergibt eine aktuelle gehebelte Investmentrate von 104%.

Oder es werden zwei long Strategien gehandelt, dann könnte das Kapital im Verhältnis 40:60 verteilt werden. Bei einer TSMIR Investmentrate von 80% müssten dann 32% in die erste Strategie und 48% in die zweite Strategie investiert werden.

So sieht er aus

Für den Zeitraum von 1999 bis Mitte 2011 sieht die Investmentrate folgendermaßen aus.

Zur Visualisierung der Investitionsrate habe ich den S&P500 gewählt. Die dargestellte Aktie/Indikator hat nichts mit der Berechnung zu tun, sondern dient einzig der Illustration des TSMIR Indikator.

Herleitung

Grundannahme des TSMIR Index ist, dass alle Märkte (Aktien Indizes aller Börsen bzw. Branchen) weitestes gehend zu einander korrelieren und zusammen deutlich trendstabiler und weniger volatil als jeweils die einzelnen Bestandteile sind.

Somit wird ermittelt, welche Richtung die Mehrheit der einzelnen Bestandteile einnimmt und dies wird als Prognose bzw. als Investmentrate kalkuliert.

Berechnung

Der TSMIR Indikator mit seinen Einzelkomponenten:

Die Berechnung des TSMIR erfolgt über bis zu drei Stufen. Von einer Stufe zur nächsten werden die Ergebnisse aggregiert.

Zweistufige Berechnung über globale Indizes
Hier werden für globale Indizes mit einem eigenen Indikator (s.u.) die jeweiligen Richtungen bestimmt. Ergebnis ist dann entweder up oder down. (Step1)
Aktuell habe ich 10 globale Indikatoren, die ich mit 40% in das Gesamtergebnis einfließen lasse. Dh. jeder globale Index fließt mit 4% in den Gesamtindex ein. (Step2)

Dreistufige Berechnung über lokale Indizes bzw. Branchen.

Hier werden für lokale Indizes mit einem eigenen Indikator (s.u.) die jeweiligen Richtungen bestimmt. (Step1) Diese werden dann in Körbe (Listen) zusammengefasst. Ein Korb umfasst z.B. alle Länderindizes des Stoxx. Dann wird die mehrheitliche Richtung des Korbes bestimmt. Ergebnis ist jeweils wieder up oder down. (Step2)
Aktuell habe ich 5 Körbe mit lokalen Indizes, die ich mit 60% in das Gesamtergebnis einfließen lasse.
Jeder Korb wird somit mit 12% gewertet. (Step3)

In welcher Phase befindet sich der lokale/globale Index.

Für die Entscheidung, ob ein Index/Aktie/Asset sich in einer up oder down Phase befindet, lässt sich mit vielen Methoden berechnen. Ein einfaches Beispiel ist die Verwendung zweier gleitenden Durchschnitte (GD bzw. MA) mit einer kurzen und einer Langen Periode (z.B 60 und 200 Tage). Ist der 60 Tage MA oberhalb des 200 MA dann sind wir in einem Up Markt und v.v.

Ich verwende hierfür selber einen alternierende Stopp Indikator Variante (Stop and Reverse). Siehe <GlobalIndikator >. Das Ganze funktioniert ähnlich einem ATR Stopp oder einem Parabolic SAR.

Sehr gute Ergebnisse lassen sich aber auch mit der von Joachim Lenz beschrieben Methode der Linearen Regressionsgeraden bei der Suche eines möglichst hohen Bestimmtheitsmaßes (R2) und des daraus resultierenden Slopefaktors (Steigung) http://www.vtad.de/node/1442 erreichen. Ist die Steigung positiv ist das Asset in einem Aufwärtstrend.

4 Kommentare zu Investment Rate Indikator – TSMIR

  1. Joachim Lenz sagt:

    Hallo Frank,

    schöne Überlegung.
    Wie Du richtig schreibst, funktioniert die Marktbreite auch sehr gut mit der Idee aus meiner Arbeit für den VTAD Award.
    In dem Zusammenhang verwende ich Sie aber eher Digitalisiert um Systeme komplett aus oder anzuschalten, Steuerung der Quote nehme ich dabei nicht vor.

    Würde mich mal über einen Austausch freuen, was Deine Ergebnisse angehen.

  2. Martin Hark sagt:

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel! Ich beschäftige mich gerade mit der Charttechnik. Die Charttechnik ist der Grundbaustein der technischen Analyse. Im Gegensatz zur fundamentalen Analyse wird anhand der Charttechnik nur die Vergangenheit betrachtet. Im Endeffekt sollte diese Rückschlüsse / Hinweise über die zukünftige Entwicklungen liefern. Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Charttypen und –techniken. Die klassische Charttechnik, die Point- Figure Technik, die Candlestick Technik sowie die Elliott Wellen Theorie sind hierbei die bekanntesten. Je nach Tradingstrategie bzw. –absicht können einzelne Trader unterschiedliche Strategien bevorzugen bzw. anwenden. Die Charttechnik stellt hierbei sicherlich ein bedeutendes Tradinginstrument /-unterstützung dar. Jedoch muss man sich im Klaren sein, dass man die Zukunft nie von der Vergangenheit ableiten kann. Spekuliert man nur kurzfristig (Daytrading) kann man sicherlich anhand der Charttechnik agieren. Langfristig wird die Charttechnik meist noch mit fundamentalen Daten kombiniert. Wie man hierbei erkennt, kann man lediglich aufgrund der Charttechnik handeln oder diese als sinnvolle Unterstützung beim Trading einsetzten.

  3. Thomas sagt:

    Der Artikel ist zwar schon etwas älter, dennoch immer noch sehr informativ mit ganz wichtigen Punkten, die zu beachten sind.

    • odeedo sagt:

      Danke für die Blumen.
      Gerade jetzt wo sich der TSMIR rückblickend für die letzten Monate nicht gerade positiv entwickelt hat. Erst wird das Anteil auf ca. 50% reduziert, dann stürmt der Markt in einem V nach oben, als gäbe es kein morgen mehr, so dass fast alle Signale zuletzt wieder umkehren. Und jetzt sieht es aus, dass nachdem der Investionsgrad wieder auf über 80% gestiegen ist, dass der Markt wieder nach unten geht. Das ganze sieht mir aus wie eine Trendstrategie in einem Seitwärtsmarkt. Trotzdem halte ich weiter fest an diesem Ansatz.

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